“Beikost-Märchen” und unser Weg

„Beikost-Märchen“ und unser Weg

Familienportrait mit Gurke

Das sind wir.

Mit drauf das kleine Sonnenkind (Alter: 27 Wochen / 6 Monate).

Wie sie hier ihre erste Scheibe Gurke lutscht.

Sie ist nicht mehr zu bremsen. Und das meine ich genau so wie ich es sage.

Eigentlich, ja eigentlich gefällt mir das Sitzen „so“ gar nicht. Das ist etwas, das ich genauso wie das Hinstellen eines Babys – obwohl es dies noch nicht selbständig kann – ganz ganz „schwierig“ finde.

 

Vor 12 Jahren – Vollkost statt Beikost

Die Große wurde >von mir< völlig grundlos, viel zu früh abgestillt. Somit gab es statt Beikost dann direkt „Vollkost“ – auch irgendwelche Reifezeichen waren mir damals völlig fremd.

Mehr Infos zu den Beikostreifezeichen findet ihr im Netz.

Auch dachte ich, dass man eben mit 4-6 Monaten anfangen sollte, weil man das einfach so macht. 

Brei. Fleisch. Zusätzliches Öl. Nudeln. Kuhmilch. Schön gezuckerter Abendbrei. Breze. Nichts Rohes, alles schön „matschgekocht“. Nur spezielles „Babyessen“.

Nichts vom Tisch. Mindestens 3 Mahlzeiten pro Tag. Fertig. Punkt.

Diesmal wollte ich abwarten, meinem Baby und ihrem Körper Zeit lassen – hinschauen und vertrauen. Hatte mir vorgenommen ganz gechillt abzuwarten bis sie – irgendwann – mal möchte.

Dass sie nun „so früh“ sehr nachdrückliches Interesse hat, war jetzt doch etwas überraschend für mich.

(Essen verfolgen, mitkauen, Kopf überstrecken, laute und freudige Geräusche bei Sichtkontakt)


Nur habe ich mittlerweile ein anderes Wissen…

  • 🌱Ich weiß, dass mein Baby allein(!) durch meine Muttermilch zu 100% versorgt ist auch über das 1. Jahr hinaus. Mein Baby bekommt durch das Vollstillen keinen Eisenmangel, dies ist eine der größten Fehlinformationen!

  • 🌱Ich weiß, dass mein Baby (besonders im 1. Jahr) nicht essen muss …wenn es zB.: noch nicht soweit ist.

  • 🌱Ich weiß, dass mein Baby auch an einem Holzbrett kauen würde wenn ich dies täglich tun würde. Vorbild ist man immer!

  • 🌱Ich weiß, dass der Beikost-Start nicht mit 5/6/7/8/9/10/11/12/13/14 Monaten usw. starten muss, sondern dies ganz allein mein Kind und dessen Entwicklung bestimmen. Magen-Darm-Reife beachten > Start frühestens nach dem 5. Monat.

  • 🌱Ich weiß, dass sie entdecken/tasten/fühlen/erleben möchte.

  • 🌱Ich weiß, dass dies in erster Linie nichts mit “Essen” oder Hunger zu tun hat.

  • 🌱Ich weiß, dass matschen/schmeißen nichts mit fehlender Erziehung oder einem „Dreckspatz“ zu tun haben, sondern lediglich lernen & Textur erleben ist.

  • 🌱Ich weiß, dass Beikost nicht Vollkost bedeutet und kein Ersatz für Muttermilch ist (sein muss). Bei-kost oder auch “Neben-bei” ist eine Ergänzung zur Hauptnahrungsquelle Muttermilch.

  • 🌱Ich weiß, dass ich nicht „anfangen“ muss von 0 auf 100 zu gehen „nur“ weil mein Baby Interesse zeigt.

  • 🌱Ich weiß, dass ich mir keine Gedanken über verwässertes/überteuertes „Breizeug“ machen muss. (Alternative = BLW/Fingerfood bzw. Brei selbst kochen)

  • 🌱Ich weiß, dass ich mir jegliche Tabellen, Listen und Programme sparen kann.

  • 🌱Ich weiß, dass ein Baby/Kind im Durchschnitt 2-7 Jahre gestillt werden möchte. (Und über Jahre hinweg sogar super versorgt wäre!)

  • 🌱Ich weiß, dass Stillen mehr als Nahrungsaufnahme ist und deshalb nicht (komplett) durch feste Nahrung abgelöst werden muss.

  • 🌱Ich weiß, dass ich mich nicht an regelmäßige Mahlzeiten halten muss – sondern das ganz relaxt ohne Stress nebenbei mitlaufen lassen kann.

  • 🌱Ich weiß, dass mein Baby kein zusätzliches Wasser oder Tee benötigt, auch an heißen Tagen reicht hier immer die Brust.

 

Für Später:

  • 🌱Ich weiß, dass ich mein Baby VOR den Mahlzeiten stillen werde und sie dann ganz entspannt entdecken kann. Gesättigt, ganz ohne den Druck (für uns beide) sie nun damit satt zu kriegen.

  • 🌱Ich weiß, dass ich nie wieder ein Kind zum (Auf)Essen zwinge oder den „Rest-Hunger“ am Füllstand eines Gläschen messen werde.(Natürliches Sättigungsgefühl)

  • 🌱Ich weiß, dass es super Alternativen zu künstlichem Zucker, Brot (Gluten) und toten Tieren gibt.

  • 🌱Ich weiß, dass ich mir das „Öl-dazu-Gepansche“ sparen kann, denn dieses zielt nur darauf aus mein Baby zu sättigen und dadurch möglichst schnell eine Stillmahlzeit zu ersetzen. (Wenn es um „gute Fette“ geht > zB.: Avocado)

  • 🌱Ich weiß, dass es nicht ständig neues auf dem Tisch geben muss und es gern (besonders Anfangs) wiederkehrende Nahrung sein darf.

  • 🌱Ich weiß, dass es gern auch Obst zu Beginn sein darf. (Saisonale Entscheidung) Es muss nicht die allbekannte „Karotte“ sein.

  • 🌱Ich weiß, dass der Magen eines Babys/Kleinkinds mini ist und (besonders anfangs) „nur“ verhältnismäßig kleine Mengen reinpassen.

  • 🌱Ich weiß, dass Hunger generell nichts mit festen Uhrzeiten oder einer stetig steigenden Menge zu tun hat.

  • 🌱Ich weiß, dass mein Kind dann isst wenn es möchte. Ich kann mir also alle „noch ein Löffelchen für Mama“ und alle „Essen-Fliegerspiele“ sparen. Damit zerstöre ich nur das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl.

  • 🌱Ich weiß, dass mein Baby/Kind auch plötzlich in den „Hungerstreik“ oder „Stillstreik“ gehen kann und dies völlig normal ist und oft im Zusammenhang mit größeren Entwicklungsschritten einhergeht. Mein Baby/Kind möchte sich weder abstillen noch wird es für immer aufhören zu essen.

 

> Und ich weiß nun, dass ich meinem Kind zu 100% vertrauen kann. Mein kompetentes Kind!

 


Gedanken zur „Breiwut“

„Beikoststart“ ohne die Bedürfnisse eines Kindes oder dessen Entwicklungsstandes zu beachten?

Ein Baby/Kind das nicht bereit ist zu Essen, aber Mama/Papa & Co. starten die Beikost?

Auch ich habe das mit meinem ersten Kind vor 12 Jahren gemacht. Jetzt schaudert es mich und ich frage mich: “Wie soll das gehen?”.

Den Brei gegen den Willen meines Kindes in dessen Mund stopfen?
Das Kind überreden, motivieren oder sogar austricksen?

Hauptsache es hat gegessen. Hauptsache es hat genug um keinen Mangel zu bekommen. Es muss doch Hunger haben! Es ist doch alt genug! Jedes Kind isst doch in dem Alter. Es muss doch essen!

Es muss!!!

Egal ob uns Mamas das zu langsam (oder manchmal auch zu schnell) geht… auch hier ist es so, dass dies nicht wir Mamas entscheiden sollten.

Wir können Anreize schaffen, anbieten und begleiten.

Auch hier bestimmt das Tempo ganz allein unser Kind.

 

Vollstillen

Ich habe losgelassen
Deshalb entdeckt sie ab sofort ganz „spielerisch“ unsere Welt.

Ja, sie möchte alles anfassen, tasten, greifen und mit dem Mund erleben. Bisher schluckt sie noch nichts und es bleibt noch beim Lutschen & Anfühlen der Dinge, die ich gerade in der Nähe habe.
UND sie ist unglaublich zufrieden damit.

Sie wird weiterhin vollgestillt.
Baby-Mahlzeiten gibt es nicht.
Das Sonnenkind kann (mit)entdecken.

Wenn es gerade für uns passt – sprich ich etwas in der Nähe habe oder es selbst esse – kann sie an rohem Gemüse/Obst wie Gurke, Karotte oder Apfel lutschen. Natürlich nur beaufsichtigt (siehe Tragetuch).

Da ich für einen achtsamen Umgang mit dem Körper bin, „sitzt“ sie (aktuell solange sie noch nicht selbständig sitzen kann) für die aufrechte Haltung während des Entdeckens in der „Spreiz-Anhock-Haltung“ im Tragetuch.

Was für ein aufregendes erstes Jahr.

 

Tee, Saft, Limo, Wasser oder doch Muttermilch?

Jetzt hab ich so viel über das „Essen“ gesprochen, aber wie ist das eigentlich mit den Flüssigkeiten?

Bei meiner großen Tochter hatte ich die Einstellung „Jawohl – Wasser reicht“. Und ihr werdet es nicht glauben, aber sie hat die ersten 10 Jahre ihres Lebens ausschließlich Wasser getrunken.

Kein Saft, kein Tee etc.

Muttermilch statt Wasser!?

Ja, das einzige was ich nun anders machen möchte ist, dass die „Haupt-Trink-Quelle“ solange wie wir stillen die Muttermilch bleibt.

Irgendwann später gibt es dann Wasser (wann weiß ich nicht?!). Ob das Sonnenkind irgendwann auch so ein „Wassertrinker“ wird bleibt abzuwarten. 🙂


Nachtrag 1:

Und wie das so mit Kindern ist rast die Zeit wie irre. Nur 5 Tage nachdem ich diesen Artikel verfasst habe hat sie mir das Essen aus der Hand „geklaut“ und ganz klar gezeigt „jetzt aber her damit“.

Morgens zauberte ich für meine große Tochter und mich einen Erdbeer-Bananen-Quark und Mittags gabs Kartoffeln mit Zaziki, Vleisch und Gurke. (Vegan)

Joa, das lief dann so ab, dass sie morgens ein „Micro-Mini-Stück“ Erdbeere (mit)lutschte und Mittags ein fast nicht sichtbares Kartoffelstück zermalmte (selbstverständlich gekocht!).

Ich war mir aber nicht sicher ob und wieviel sie davon tatsächlich schluckte und wieviel schlussendlich in meinem Ausschnitt landete.

Schon gegen Mittag roch ich, dass hier was anderes am Start ist. Abends dann die „Überraschung“ in der Windel – kein reiner Muttermilchstuhl mehr.

Ich bin absolut fasziniert wie schnell der Darm reagiert hat. Mutter Natur hats wirklich drauf.

Hach ja, wieder ein Meilenstein und mein Mamaherz stolpert und hüpft zugleich.

Nun gut, der „Plan“ bleibt der gleiche – sie entscheidet.

Ein Schritt nach dem anderen. Chillen, matschen lassen – entspannen.
Sanft begleiten – achtsam bleiben.


Nachtrag 2:

Das Sonnenkind ist mittlerweile 7 Monate.

Sitzt „noch“ nicht.
Wird weiterhin voll gestillt.

Essen? Nö!

Sie möchte manchmal mein Essen (Obst & Gemüse) kurz mit den Lippen berühren/antesten und grinst danach dann zufrieden. (Kann morgen natürlich schon wieder ganz anders sein…)

Und ich? Ich bin tiefenentspannt!


By the way

Hiermit möchte ich Niemandem der es anders gemacht hat oder macht auf die Füße treten.

Vielleicht kann Jemand etwas mitnehmen oder möchte es – so wie ich – beim nächsten Mal anders machen.

Ich weiß wieviel Unwissenheit/Fehlinformationen im Umlauf sind.

Und das Schlimmste: Die meisten Verunsicherungen und Ängste werden von vielen Ärzten und (angeblichem) Fachpersonal geschürt.

Ich finde es unglaublich traurig wie viele Mamas verrückt gemacht werden und dann am Ende völlig verunsichert handeln.

Auch hier möchte ich euch wie immer sagen:

„Achtsam sein – Augen auf – darüber nachdenken UND vertrauen. Euch und euren Kindern.”

Schaut sie euch an, kommuniziert mit Ihnen und dies muss nicht mit Worten sein. Versucht sie zu lesen, sie werden euch ganz genau zeigen in welche Richtung es geht.

Begleitet sie.

 



Hinweis: Ich bin Mama – kein Fachpersonal. Meine Meinungen und mein Wissen haben sich durch mein Leben, Erfahrungen, Informationen, Gefühle, Inspirationen, Gedanken usw. geformt und formen sich stetig weiter.


 

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Ein Kommentar bei „“Beikost-Märchen” und unser Weg“

  1. Lena (mama.mausmann) sagt: Antworten

    Wir hatten ja vor ein paar Wochen schon mal drüber gesprochen. Ich habe es mit der Beikost auch entspannt gesehen und sage auch immer noch: Stillen wurde nie von mir gestrichen, er hat entschieden, wann er eine Mahlzeit “ersetzt” hatte und das konnte montags anders sein als dienstags und wir stillen mit 17 Monaten noch völlig unabhängig von Essenszeiten. Muttermilch ist hier auch noch die Hauptflüßigkeit, als Alternative gibt es auch nur Wasser.

    Einziger Klugscheißer-Satz: Vollgestillt ist das Sonnenkind nun nicht mehr, denn auch wenn sie lutscht etc, minimale Bestandteile landen im Magen und Darm (was du ja anhand des Stuhlgangs gemerkt hast). Sage ich nur, weil genug Mamas mit 3-4 Monaten “nur mal lutschen lassen” und sich dessen nicht bewusst sind. 😉

    Ich finde es toll, dass du nun so entspannt ran gehst, Essen soll ja Genuss sein und kein Zwang. <3

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