Mein Baby ist ein “Terrorzwerg”

Baby weint nachts

„Na, haben Sie auch so einen Terrorzwerg?“

Diese Frage wurde mir heute beim Secondhand-Shoppen von einer Verkäuferin gestellt.

Ihre Tochter hätte ebenfalls ein Baby im gleichen Alter (6 Wochen) und dieses Baby mache nur „Terror“. Immer gegen 22 Uhr würde es anfangen zu schreien – die Mutter wäre schon ganz wütend und hätte die Schnauze nun voll von Kindern.

Ich sah sie mit großen Augen an – musste kurz schlucken, um dann antworten zu können: „Nein, mein Baby ist kein Terrorzwerg“.

Ich erzählte ihr, dass meine Tochter sich Abends nur richtig „ausschreien“ würde, wenn es tagsüber sehr laut war oder viel Emotionen in ihrer Nähe gewesen waren. Dass ich dann sofort wüsste: „okay, es waren zu viele Eindrücke – die müssen jetzt verarbeitet werden“.

Ich erzählte ihr von meiner Großen… davon, dass ich sie als Baby nächtelang/monatelang durch die Wohnung auf und ab getragen hatte. Dass sie sich nur durch konstantes Laufen und ihrem geliebten „La Le Lu“ beruhigen ließ.

Sie winkte ab und antwortete: „die Kleine liegt den ganzen Tag im Laufstall – keine Ahnung was die hat“.

Aber warum?

Das Gespräch hat mich zum Nachdenken gebracht.

Es gibt so viele Gründe warum ein Baby weint: Hunger, Schmerz, Entwicklungsschübe, Müdigkeit, Überreizung, Sehnsucht nach Nähe/Liebe und so einiges mehr.

Es weint aber niemals, wirklich niemals(!) um uns zu terrorisieren… um sich danach hinter unserem Rücken über uns schlapp zu lachen: „Haha, der hab ich’s jetzt gegeben“.

Hört sich doch eigentlich auch total absurd an, oder?

Absoluter Standard

Warum reden wir dann so schlecht über unsere Babys/Kinder?
Was für eine enorme Erwartungshaltung haben wir Ihnen gegenüber?

Ein Baby schreit, weint und schläft nachts nicht durch. Es schläft mal drei Stunden, am nächsten Tag dann sechs und einen Tag später nur noch 10 Minuten am Stück.

Heute lacht es mit der Sonne um die Wette und morgen weint es gefühlt den ganzen Tag.

Es braucht ununterbrochen unsere Nähe & Liebe und mag auch gern mal den ganzen Tag geschuckelt/gebobbelt und getragen werden.

Mal möchte es den ganzen Tag den Busen und nuckelt Mamas Brustwarze wund und an anderen Tagen verschläft es gleich drei Mahlzeiten.

Auch kann das alles ein Dauerzustand sein, der ganze Monate oder sogar Jahre andauert.

JA verdammt nochmal, das ist ALLES ALLES völlig „normal“.

Mamas Wünsche

Natürlich ist es für mich als Mama erstrebenswert wenn mein Baby nachts nicht weint, es 6 Stunden am Stück schläft, und alles von Monat zu Monat „geregelter“ abläuft. Klar ist mein Leben dann leichter, nicht so anstrengend, und mit einem guten Schlaf lässt sich definitiv entspannter leben.

Aber hey, das entspricht nicht der (durchschnittlichen) Realität.

Warum unterstellen wir unseren Babys/Kinder dann gleich sie wären Terroristen oder Tyrannen, würden unsere Grenzen austesten oder alles absichtlich gegen uns tun?

Sie tun es immer, wirklich immer nur für sich!

Ich kann diese Erwartungshaltung nachvollziehen – wir alle wünschen uns ein einfaches, stressfreies und liebevolles Zusammenleben mit unseren Kindern. Wir alle kommen mal an unsere persönlichen Grenzen.

Aber wir sollten aufhören unseren Babys/Kindern „Bösartigkeit“ zu unterstellen.

Nicht nach einem weiteren „Terrorzwerg“ zu fragen sondern das Baby als das zu sehen was es ist: Ein kleines Wesen, das sich mitteilen will, ein Baby, das einfach nur gehalten werden möchte. Mehr nicht.

Was können wir tun?

Annehmen.

Uns frei machen und aufhören zu vergleichen – dankbar sein.

Es „einfach“ annehmen und nicht vergessen: es ist alles „normal“.

Die Momente zelebrieren die uns glücklich machen – viel zu schnell ist diese Zeit wieder vorbei.


Ich wünsche allen Müttern/Eltern usw. viel Kraft und Ausdauer – und allen Babys/Kindern einen Haufen bedingungsloser Liebe.


 

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Ein Kommentar bei „Mein Baby ist ein “Terrorzwerg”“

  1. Mein Kleiner war laut Definition ein “Schreikind”. Ein Frühchen, das wegen Placentaablösung 8 Wochen zu früh kommt und die ersten 3 Monate so unheimlich viel geschrien hat. Er brauchte das einfach. Er musste sich ausweinen, weil er viel zu früh aus seiner warmen Höhle gerissen wurde. Weil er noch gar nicht mit der Umwelt umgehen konnte und weil er einfach seine Mama gebraucht hat.
    Die Lösung war oft Tragetuch oder stundenlanges stillen. Stundenlang durch die Wohnung laufen und ihm nah sein.
    Man muss sich bewusst werden, dass dieses kleine süße Ding einfach nur Angst hat und Mama braucht.

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