Weihnachten – Fest der Liebe oder Fest der Hiebe?

Weihnachten ohne Familie feiern

Heiligabend – ein wunderschön geschmückter Tannenbaum, das Haus duftet nach Lebkuchen und Punsch, glückliche Kinder packen ihre Geschenke aus, Engel singen fröhlich „Stille Nacht, heilige Nacht“ und alle haben sich lieb.  Die ganze Familie sitzt friedlich beisammen und jeder gibt sein Bestes.

So oder so ähnlich stellt sich wohl so manch einer das Fest der Liebe vor.
Friedlich soll es sein, ganz ohne Streit. Ein gemütliches Miteinander. Tage der Familie, Tage des Friedens.

Leider sieht die Realität bei vielen von uns ganz anders aus. Zerrüttete Familien, Streit, Missgunst, Tränen, Aggression, Neid, Menschen die sich anschweigen, falsche Erwartungshaltungen und (anerzogene) Zwänge.

Bitte lächeln

„Es soll schön sein, bitte keinen Streit, alle sollen sich lieb haben.“ Wie realistisch ist diese Vorstellung? Eine künstliche Welt des Friedens für einen Tag / einen Abend zu erschaffen?

Teppich hoch, Probleme drunter.

Wie kann an einem beliebigen Tag im Jahr – auf Knopfdruck – eine heile Welt entstehen in der wir uns wirklich richtig wohlfühlen?

Auch wenn sich alle – und damit meine ich wirklich alle! – vornehmen ihr Bestes zu geben, und es tatsächlich “friedlich” abläuft – wie fühlen wir uns dann wirklich, tief in uns?

Spiegel des Abgrunds

Ich habe die Erfahrung gemacht dass uns genau in diesen Tagen ein Spiegel vor die Nase gehalten wird.

„Guck hin, da und da hast du große Wunden. Hier und hier sind unverarbeitete Probleme. Da steckt etwas fest das fließen möchte.“

Wir fallen bei diesen Konstellationen immer wieder in alte Muster zurück. Wir erleben Festgefahrenes, Unverarbeitetes aus unserer eigenen Kindheit, vielleicht sogar der Kindheit unserer Eltern, deren Eltern und ihrer Vorfahren.

Unsere Wunden wollen gesehen und geheilt werden.

Was aber wenn das Interesse, der Rahmen, die Möglichkeit oder auch die Kraft fehlt mit Familienmitgliedern Themen zu bereinigen?

Familiärer Frieden

Wir alle wünschen uns ein friedliches Miteinander. Wir alle möchten geliebt und anerkannt werden.
Jeder lebt und erlebt das Wort „Familie“ unterschiedlich. Die einen sind gesegnet mit einem Kreis des Vertrauens und Miteinander, die anderen haben keine Familie mehr. Manch einer hat den Kontakt bereits gebrochen und lebt Familie „nur“ noch mit der eigenen „kleinen Familie“, wieder andere haben Freunde zu ihrer Seelenfamilie gemacht.

Was aber bei allen Definitionen bleibt – Familie bedeutet Wurzeln zu schlagen.

Tief verankert – tief verwurzelt zu sein. Eine Verbindung einzugehen, die schwer – oder sogar nie? – trennbar ist.

Etwas, das mit Worten nicht ausreichend beschrieben werden kann – ein Gefühl. Ein zuhause haben, oder oft auch nicht haben. Sich vielleicht irgendwann ein neues Zuhause, eine eigene Familie, und somit eine weitere Definition zu erschaffen.

Aber es ist doch Familie

Ja, und genau weil es Familie ist „zwingen“ oder überreden wir uns jedes Jahr aufs Neue. Wir manövrieren uns in Situationen vor denen wir uns sonst schützen würden – was je nach Eskalationslevel sehr energieraubend und belastend werden kann.

„Weihnachten ohne die Familie feiern? Wie traurig.“

Ja, eigentlich ein nachvollziehbarer Gedanke, oder? Nur was habe ich davon, wenn ich mir die Feiertage selbst versaue? Ja richtig „selbst versaue“, denn ich selbst treffe die Entscheidung mit wem ich feiern möchte.

Wenn ich mich am Ende wieder mit Person XY in den Haaren habe, die Stimmung mies ist, Tränen fließen oder es sogar völlig eskaliert – wie schade ist es dann noch eine Alternative zu finden? Weihnachten mit Menschen zu verbringen mit denen ich es mir so richtig schön machen kann?

„Hey, ich hab euch lieb – aber leider klappt es mit uns nicht“.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich – so traurig das ist – an kein Weihnachten erinnern kann an dem es bei uns nicht eskaliert ist. Dieses Jahr habe ich die Heimfahrt sehr traurig und ausgelaugt angetreten, mit einem so vollen Kopf, dass ich wusste: „so nicht mehr“.

Die Erkenntnis, dass es nicht funktioniert, hat sehr weh getan. Zu lange habe ich daran festgehalten. Ich hatte wie jeder andere auch ein ganzes Jahr Zeit es mir wieder schön zu reden, Hoffnungen auf ein besseres Weihnachten zu hegen.

Ich habe mich nun bewusst dazu entschieden keine Energie mehr dafür aufzuwenden.

Zukünftig mache ich mich frei von der Erwartungshaltung gegenüber anderen. Ich mache mich frei von diesem inneren Zwang „zu müssen“, und möchte nichts mehr tun nur weil man es so macht – „nur“ weil es Familie ist.

Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem man sich friedvoller gegenüber sitzt, und einzelne Personen aktiv ihre Baustellen aufarbeiten können.

Weihnachten ohne Familie feiern

Wo und wie wir unser nächstes Weihnachten feiern, welche Auswirkungen das auf sonstige Familienfeste haben wird, das weiß ich noch nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich sehr froh bin meine Energie zukünftig achtsamer zu nutzen. Energie sinnvoll zu nutzen.

Mut haben loszulassen.

Für mich und meine Kinder – ich möchte im nächsten Jahr schöne Erinnerungen schaffen. Nicht nur an den Feiertagen.

Merke: Auch meine kleine Familie ist Familie. Meine zwei Töchter und ich. Zwei Menschen, mit denen ich mein Weihnachtsfest feiern möchte.

Das Leben ist eine Reise und ich freue mich darauf.

Und du?

Wie geht es dir in diesen Tagen?

Hältst auch du immer noch an Traditionen fest, obwohl es dir schadet? Vielleicht gehörst du sogar zu den Glücklichen mit einem „gesunden Familienkreis“, in dem es auch unter dem Jahr ein Miteinander gibt? Was und wer ist Familie für dich? Wie ist deine Erwartungshaltung an die Weihnachtszeit?

Wie und mit wem möchtest DU dein nächstes Weihnachtsfest feiern? Du entscheidest!


 

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5 Kommentare bei „Weihnachten – Fest der Liebe oder Fest der Hiebe?“

  1. Erstmal habe ich mich sehr gefreut das du nun einen eigenen Blog hast 🙂 Verfolge dich schon seit längerem bei Instagram und bist eine Inspiration geworden 😀 😉 🙂

    Weihnachten feiern wir meistens zu dritt. Mein Mann, mein Sohn und ich. Wir gehen das sehr locker an. Ohne viel kitsch und Schnörkel. Alle sind herzlich Eingeladen vorbei zu kommen dürfen aber kein Staatsempfang erwarten 😀
    Generell ist unser ganzes nähere Familiäre Umfeld völlig in Ordnung.

  2. Hallo! Ein wirklich toller Text. Überhaupt nicht reißerisch, dafür aber ganz klar mit Happy End für euch im nächsten Jahr. Wir haben vor drei Jahren den “Absprung” geschafft. Wir fahren über Weihnachten weg. Nur mein Mann, meine Kinder und ich. Das erste Jahr gab es lange Gesichter bei dem Rest der Familie, aber mittlerweile wird das nicht mehr in Frage gestellt. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen. Wir haben eben unsere eigene Weihnachtstradition begonnen. Leider ist mein Opa sehr krank. Vorraussichtlich wird er das nächste Weihnachten nicht mehr erleben. Dann ist meine Oma allein und das Gewissen wird sich melden. Nun verhält es sich aber ausgerechnet so, dass ich mit meiner Oma die größten weihnachtlichen Differenzen hatte. Keiner von uns war glücklich, wenn wir an diesem Tag beisammen waren. Ich bin gespannt, wie wir das lösen werden. Ich wünsche Dir einen tollen Start Deiner eigenen wunderschönen Weihnachtsgeschichte 2018.

  3. Toller Text, der zum Nachdenken anregt. Bei uns ist es zum Glück meist friedlich, aber leider kenne ich auch Familien, bei denen es ganz anders läuft.
    Hoffentlich könnt ihr das nächste Weihnachten ohne Stress genießen, ich wünsche es euch von ganzem Herzen!

  4. Melzer Katharina sagt: Antworten

    Glückwunsch zum neuen Block!!! Und dann zum Start mit so einem tollen Beitrag zu einem “heiklen” Thema…Hut ab. Ich bin seit kurzem stille Begleiterin Deines Instagram Accounts. Aber nach dem auch mein /unser Weihnachten dieses Jahr mal wieder einen traurigen Höhepunkt erreicht hat, wollte ich kurz meine Anerkennung zu Deinem Entschluss da lassen und Dir grössten Respekt dafür zollen. Viel öfter sollte man sich frei machen und mehr auf sein Herz und sein gesundes Grundgefühl hören und sich nicht am “So macht man das” orientieren.
    Auf das sich Dein Aufgewühlt-sein schnell legt und Du Dich wieder am Wesentlichen erfreuen kannst, nämlich Deinen Mädchen!
    Sei unbekannter Weise lieb gegrüßt
    Katharina

  5. Dankeschön, für diese Anregungen! Ein, trotz der Schwierigkeit dieser Thematik, sehr achtsamer Text! ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal alleine mit meinen beiden Kindern Weihnachten verbracht und es war so befreiend! Im Vorfeld haben mich viele gefragt, ob ich nicht traurig sei und mich nicht einsam fühlen würde… Die Vorstellungen meiner Familie und meine eigenen gehen so weit auseinander, dass es nicht möglich ist beisammen zu sein ohne, dass ich aufgewühlt und verletzt werde. In diesem Jahr wollte ich das nicht mehr und bin im Nachhinein so froh, diese Entscheidung durchgezogen zu haben! Ich wünsche dir noch schöne letzte Tage in diesem Jahr und freue mich auf die nächsten Posts! Liebe Grüße rabenmami <3

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