Dreadlocks auskämmen – Dreads loswerden ohne abschneiden – Anleitung

Dreadlocks auskämmen – Anleitung

Dreads loswerden ohne abschneiden oder abrasieren


Fortsetzung von: 7 Jahre Dreadlocks – “Ohne meine Haare, was bin ich dann noch?“

Dreadlocks auskämmen statt abrasieren

Dreadlocks auskämmen? Geht das? Auch mit “alten” und hart verfilzten Dreads? Ja, das geht! Ich habe schon einigen Menschen dabei geholfen, sich von ihren Dreads zu trennen. Alle haben eines gemeinsam:

Keiner hat seine Haare abschneiden oder gar abrasieren müssen.

Allen habe ich die Dreadlocks ausgekämmt – und das fast schmerzfrei. Ganz gleich wie die Dreadlocks zuvor aussahen.

(Vorher-Nachher Bilder findest du weiter unten)

Merke: Je dünner die Dreads sind, desto langwieriger ist das auskämmen. Das gleiche gilt auch für Stellen die mit Perlen oder Wolle abgedeckt sind, diese sind meist sehr stark verfilzt und man benötigt dafür etwas mehr Zeit. Aber ganz gleich ob deine Dreads 1 Jahr jung sind oder ob du deine Dreadlocks schon länger hast:

Sie gehen alle raus – ganz ohne abschneiden.



☀️Alles was du dafür brauchst:

  • Ein paar helfende Hände
  • Geduld
  • Und für die „nasse Variante“ eine hardcore Spülung (MIT Silikone – alternativ ohne Silikone)

 


 

Dreads auskämmen – Dreads öffnen

Für’s Dreadlocks aufkämmen brauchst du größtenteils nur den Stil des Stilkamms*.

🍃Dafür nimmst du dir jeweils einen Dread und beginnst ganz unten an der untersten Spitze (egal ob geschlossen oder offen). Du arbeitest dich langsam bis hoch bis zur Kopfhaut und dem Anfang deiner Haare.

🍃Mit einer Hand hältst du den Dread mittig oder etwas höher fest (damit es nicht an der Kopfhaut rupft) und mit der anderen Hand stichst du mit der Spitze des Kamms an der untersten Stelle deines Dreads ein.

🍃Dann ziehst du den Stil des Kammes im Dread nach unten. Du merkst schnell ob der Dread sich nach unten „öffnet“ oder ob du näher unten an der Spitze einstechen musst. Dabei musst du etwas Druck anwenden, aber du wirst bald ein Gefühl dafür haben ob du zu weit oben eingestochen hast und/oder ob es zu verknotet ist – dann geh wieder weiter runter.

Ja, das macht „Haar-brech-Geräusche“. Das ist bis zu einem bestimmten Grad ganz natürlich, denn das ist überwiegend totes, trockenes und verknotetes Haar. Du solltest nur darauf achten, dass du nicht zu weit oben einstichst und dabei deine lebendigen Haare abreist.

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Hier wurde schon ein Teil des Dreads geöffnet (mit der nassen Variante)

Fast geschafft

🍃Und so stichst du 1743246x mit dem Stilkamm* ein und ziehst nach unten – und wiederholst das bis du oben an der Kopfhaut angekommen bist.

In der Zwischenzeit sammelt sich auf deinem Stil all das tote – eigentlich ausgefallene – Haar. Ja, das sieht erschreckend viel aus.

Je nach Länge der Dreads und Tragedauer, wirst du pro Dread eine Hand voll Haare verlieren.

Aber denk daran, diese Haare hättest du eigentlich schon längst „verloren“… du hast sie nur noch etwas mit dir herumgetragen.😉

Auch ein paar “Geschenke” wirst du in deinen geöffneten Dreadlocks finden. Zum Beispiel Staub, Staub, Staub und Hautschüppchen (bei der trockenen “Auskämm-Variante” sichtbar). Keine Sorge, das ist kein Indiz für ungepflegte Dreads. Nein, dies entwickelt sich ganz automatisch in einem “Dreadlocksleben”.

🍃Kurz bevor du oben an der Kopfhaut angekommen bist empfehle ich dir den Dread mit den Fingern auseinander zu ziehen. Damit öffnet er sich einfacher – und es entstehen keine/wenige Schmerzen. Die Technik empfehle ich dir auch „für zwischendurch“ um sehr harte verfilzte Stellen deiner Dreadlocks zu öffnen.

Bis dahin solltest du auch keine Schmerzen gehabt haben (durch das konstante halten des Dreads).

🍃An der Kopfhaut kannst du dann den oberen Teil des Stilkamms* verwenden und ganz achtsam die letzten Verkettungen raus kämmen.

Voilà – fertig.


Dreadlocks nass auskämmen

Für die nasse Variante gehst du genauso vor wie bei der trockenen Variante.

Der einzige Unterschied besteht darin, dass du deinen Dread – bevor du mit dem auskämmen anfängst – mit Spülung vollpanscht. So richtig schön viel drauf und ordentlich einkneten. Ich habe dazu immer ein paar Dreadlocks vor dem auskämmen mit Spülung eingeschmiert und “die Pansche” einwirken lassen. Bei Bedarf kannst du auch zwischendrin nochmal ordentlich Spülung nachlegen.

☀️Das hat den Vorteil, dass du beim Dreadlocks auskämmen schneller voran kommst und die losen Haare (und ggf. Staub) nicht überall rumfliegen. Diese bleiben am Stil des Stilkamms* haften.

☀️Der Nachteil ist, dass die Haare danach voll mit Silikone sind, falls du zuvor darauf verzichtet hast ist das eher uncool. Alternativ kannst du auch eine Spülung ohne Silikone verwenden und austesten wie “kämmbar” deine Dreadlocks sind. Auch reißen deine Haare im nassen Zustand leider schneller (sind dann wie Gummi und brechen/reißen ab). Um zu verhindern, dass sie abreißen solltest du dabei unbedingt sehr achtsam vorgehen.

Ich habe viele Jahre lang ausschließlich mit der nassen Variante gearbeitet und damit gute Erfolge erzielt. Mittlerweile bevorzuge ich die trockene Variante ohne Spülung, diese ist – wie ich finde – die sanftere Methode. Da du ja bestimmt ein paar mehr Dreads auf dem Kopf hast, könntest du einfach beide Varianten ausprobieren… dann weißt du was für dich besser passt.

Wie lange dauert der Spaß?

Das kommt natürlich darauf an, wie lange deine Dreadlocks sind.

Je nach Dicke und Länge der Dreads dauert das auskämmen 10-30 Minuten pro Dreadlock.

Ich habe das immer gechillt nebenher gemacht, z.B.: beim Film schauen oder Buch lesen. Am schnellsten kommst du voran, wenn du Unterstützung von einem Freund / einer Freundin hast und/oder du einfach ein paar Tage einplanst. Für mich war das lange warten auch immer gut für den Prozess des Loslassen’s.

So konnte ich Stück für Stück Abschied nehmen und mich an das neue Körpergefühl/Aussehen gewöhnen.

Ich habe zum Beispiel vor ein paar Jahren die Dreads meines Fuchskinds, gemeinsam mit einer Freundin ausgekämmt. (Siehe Bilder weiter unten) Wir haben jeden Tag einige Stunden gekämmt und waren nach 4 Tagen fertig.

Optisch ist das auskämmen über einen längeren Zeitraum keine auffällige Sache. Du kannst zum Beispiel einfach einen Zopf / Dutt machen und es sieht trotzdem toll. „Blankes Haar“ und Dreadlocks zusammen sehen – wie ich finde – eh immer gut aus.

Gibt es einen Längenverlust?

Ja und nein, ich habe beides schon erlebt. Haare die nach dem Dreadlocks auskämmen 1/4 länger waren, was durch den Längenverlust beim “Dreadlocks machen” kommt. Und Haare die danach (wie zb.: bei mir gerade aktuell) nur noch 3/4 so lang sind. Das hängt stark davon ab, mit welcher Technik die Dreads gemacht wurden, ob oft gehäkelt wurde und in welchem Allgemeinzustand die Haare sind.

Wie sehen die Haare danach aus?

Dreadlockspflege ist so ungefähr genau das Gegenteil einer Standard Haarpflege, denn Dreads sollen trocken sein um gut zu filzen. Und genau so sehen sie erst einmal aus – so wie sie zuvor gelebt haben. Ja, die Wahrheit ist: Sie sehen (meist) kaputt und strapaziert aus.

Alles was sie – und du – jetzt brauchen ist Zeit und Liebe.

Pflege für ausgekämmte Dreadlocks

Wichtig ist Feuchtigkeit und Feuchtigkeit. Dabei solltest du am besten auf Haarpflege Produkte (die dein Haar nicht gesünder machen) verzichten und direkt auf die Natur vertrauen.

  • Gut eignen sich z.B. Aloe Vera, Avocado oder Banane. Ich packe mir zum Beispiel den Saft frischer Aloe Vera Blätter direkt in die Haare und lasse die Haare einfach über Nacht trocknen. Am besten mindestens wöchentlich wiederholen.
  • Danach (wenn die Haare genug Feuchtigkeit speichern konnten) ist der Klassiker definitiv Kokosöl*. Haare voll damit – Handtuch drauf – ab ins Bett und am nächsten Tag auswaschen. Und das alle paar Monate wiederholen.

UND: So wenig waschen wie möglich.

Waschen trocknet unsere Haare aus und ist (leider) so wie “wir Menschen” aktuell unsere Haare waschen absolut unnatürlich. Deshalb verwende ich schon länger kein Shampoo mehr. Für meine/unsere Haare gibt es nur noch No Poo (ab und an only water). Natron* und Apfelessig sind meine Begleiter.

Dazu findest du z.B. hier sehr viele und tolle Infos: Haare nur mit Wasser Waschen – No poo only water

Schnipp schnapp Haare ab?

Das schneiden der Haarspitzen oder auch mehr – nach vollendeten Werk empfehle ich dir sehr. Dadurch kannst du kaputtes Haar entfernen und sorgst nachhaltig dafür, dass deine Haare auch zukünftig gesund bleiben. Falls du – so wie ich – deine Haare selbst schneidest, benutze unbedingt eine sehr gute Schere* – deine Spitzen werden es dir danken.


Vorher – Nachher

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1 Jahr danach:

Hat das Fuchskind kräftiges und gesundes Haar und (ganz plötzlich wohl durch die Pubertät) wunderschöne “Korkenzieher-Locken” bekommen:
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🌿All die ausgekämmten Dreadlockshaare – die ich kenne – haben sich nach einer achtsamen Pflege ungefähr nach 3-6 Monaten erholt.


Wie ich finde, ist das auskämmen der Dreadlocks eine tolle und dankbare Lösung, wenn es für dich – so wie für mich – keine Option ist deine Haare abzurasieren.



Und du? Kämmst du schon? Erzähl mir gern wie es bei dir geklappt hat.



Hier schreibe ich über meine Gedanken und Gefühle, kurz bevor ich – nach 7 Jahren – meine Dreadlocks auskämmte:

Bedingungslose Annahme ganz ohne optischen Zuckerguss – 7 Jahre Dreadlocks – “Ohne meine Haare, was bin ich dann noch?“





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