Die Trauer einer Mutter – und die Schuld es nicht besser gemacht zu haben

Erziehung und ihre Folgen

Die Trauer einer Mutter  – und die Schuld es nicht besser gemacht zu haben

Heute begleitet mich die Trauer

Wie aus dem Nichts hat (mich) der gestrige Live-Chat von Ruth / DerKompass.de ins Schwarze getroffen.

Seit Monaten komme ich über die Schuld – die Schuld, mein Kind 10 Jahre erzogen zu haben – nicht hinweg.

Erpresst, gedroht, verletzt, gedemütigt, manipuliert, belohnt, bestraft, gemaßregelt, mit Konsequenzen gedroht, bloßgestellt und kontrolliert zu haben.

Ich dachte immer ich muss erziehen, damit aus meinem Kind etwas wird, damit aus ihr kein Tyrann wird. Ich hab über sie hinweg entschieden, sie nicht gleichwertig behandelt, ihr nicht vertraut.

Ihr nicht vertraut

Ich weiß, für die halbe Welt ist es normal Kindern nicht auf Augenhöhe zu begegnen. Dass Kinder nun mal so zu ticken haben, wie ich das als Erwachsener als sinnvoll erachte.

Wie eine Backform, in die ich einen Teig drücke – alles was übersteht wird abgeschnitten – in der Hoffnung, dass am Ende etwas Schönes daraus wird.

Ein Machtgefüge, mehr nicht.

Schuld

Ich fühle mich oft schlecht, schlecht meiner Großen gegenüber. Dass ich dem Sonnenkind von Anfang an anders begegne, dass sie die Möglichkeit hat gesund zu wachsen. Ich begegne ihr nicht nur anders, sondern ich denke von Geburt an anders über dieses Wesen.

Ja, ich wusste es nicht besser. Ja, ich wurde selbst erzogen.

Und ja, mein inneres Kind ist tief verletzt und traurig*.

Ruth hat mir einen bzw. gleich einige wichtige Impulse gegeben, auch wenn ich vorab nicht mal wusste, dass ich sie gerade brauche.

Nicht Schuld begleitet mich, sondern Trauer

Trauer… die tiefe Trauer darüber, dass ich so viel vermurkst habe.

Die tiefe Trauer darüber, dass es so ist wie es ist.

Es ist nicht schön diese Trauer zu fühlen, denn es tut schlichtweg weh. Ganz tief im Herzen, tut es weh – denn es ist mein Kind – nicht nur meine Tochter – sondern auch mein inneres Kind, das verletzt wurde.

Die Jahre sind nicht umkehrbar – Sie SIND

Gerne würde ich abschließend etwas Positives sagen. So etwas wie: „Ich hab mein Bestes gegeben“ oder: „Ich kann jetzt ja alles besser machen“.

Aber fürs Erste ist da einfach nur die Trauer. Und die darf fließen und SEIN.


Was macht der Text mit dir? Hast du ähnliche Gefühle?


Ich bewundere alle Menschen, die ihre Kinder einfach SEIN lassen.

Begleiten statt Erziehen, das wünsch ich mir.



Und passend zum Thema „Fluss“ war ich heute im Wald spazieren und habe den Schnee beobachtet, wie er taute und wieder zu Wasser wurde. Es war neben all diesen Gefühlen sehr erdend und reinigend.

Video: Der Schnee taut…


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Was denken Eltern über ihre Kinder? Was empfinden sie für ihre Kinder? Wie handeln sie? Liebe und Eigenständigkeit ermuntert uns, genau hinzuschauen. Das lohnt sich, denn es gibt einen Weg, unsere Kinder respektvoll und in Liebe zu begleiten. Ein Weg, der uns in einen tiefen und klaren Kontakt mit unseren Kindern bringt und uns sogar über die Zeit der Pubertät hinaus mit unseren Kindern zu verbinden vermag. Doch noch fragen wir uns häufig, wie wir es erreichen können, dass unsere Kinder das tun, was wir von ihnen wollen. Genau hier stecken wir in den Sackgassen gewohnter Erziehungsversuche fest. Alfie Kohn steht uns zur Seite, indem er mit den Mythen und Wunschvorstellungen eingefahrener Erziehungslehren aufräumt und uns an jenen Punkt zurückführt, an dem das Fragen wirklich Sinn macht: „Was brauchen Kinder und wie können wir diese Bedürfnisse erfüllen?“ Das Buch hatte mich schon nach nur wenigen Seiten so in seinen Bann gezogen. Sehr sehr wertvoll.

“Das Kind in dir muss Heimat finden”

Für mich eines der wichtigsten Bücher. Unsere Kindheit prägt uns – und unser inneres Kind möchte von uns geheilt und gesehen werden. Jeder Mensch sehnt sich danach, angenommen und geliebt zu werden. Im Idealfall entwickeln wir während unserer Kindheit das nötige Selbst- und Urvertrauen, das uns als Erwachsene durchs Leben trägt. Doch auch die erfahrenen Kränkungen prägen sich ein und bestimmen unbewusst unser gesamtes Beziehungsleben.

Arbeitsbuch “Das Kind in dir muss Heimat finden”


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8 Kommentare bei „Die Trauer einer Mutter – und die Schuld es nicht besser gemacht zu haben“

  1. Mich würde sehr interessieren ob du mit deiner Großen darüber redest. Weiß sie wie sehr du bereust, das es dir leid tut, das du trauerst? Wie sieht sie das? Findet sie es unfair das ihre Schwester soviel mehr Verständnis bekomnt als sie damals? Oder ist sie froh darüber und unterstürzt dich, begleitet ihre Schwester ebenfalls ?

    Alles Liebe, Sabrina

    1. Ich gehe ganz offen mit meinen Gefühlen um und wir sind immer im Gespräch. Sie begegnet mir tatsächlich voller Verständnis und Liebe – ich bin immer wieder verblüfft wie viel persönliche Größe sie lebt. Ihre kleine Schwester ist ihr großer großer geliebter Schatz. Wir gehen dadurch alle neue Wege.

  2. Hallo,
    ich habe deinen Blogpost gerade ganz zufällig gelesen und mir geht es exakt so mit meinem großen Kind ( 10).Ich habe noch ein 6 jähriges und ein 8 Monate altes Kind,mit denen es ganz sicher nie so werden wird, wie es mit dem ältesten schon immer war, weil ich auf dem Weg einige Dinge erkannt und verändert habe. Aber ich schaffe es nicht so wie ich gern möchte, die Muster in der Beziehung und der Kommunikation mit dem ältesten Kind zu verändern. Das zieht wiederum einen Rattenschwanz in der Familie nach sich. Dabei finde ich die Impulse von Ruth auch wie du sehr hilfreich und schmerzhaft( weil sie es einem so vor Augen führt) zugleich. Der Post ist schon etwas älter, es würde mich interessieren, ob du seither etwas verändern konntest und wenn ja, wie? Viele liebe Grüße
    Tamara

  3. Ich kann es so gut nachvollziehen 😔 Es geht mir tgl. so. Aber wir können es nicht mehr rückgängig machen, nur JETZT verändern. Mein Sohn nimmt es so positiv auf und sagt mir fast tgl. wie toll es ist das ich jetzt so bin wie ich bin 💖

  4. Ich kann so gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Auch mir geht es so, wobei meine Kleine erst 2.5 Jahre alt ist und ich erst seit ca einem halben Jahr erkannt habe, was Erziehung verursacht. Aber dennoch habe ich noch viele Tage, an denen ich traurig ins Bett gehe, weil ich es wieder nicht geschafft habe, frei von Erziehung zu handeln…
    Alles Liebe
    _seekind Alex

    1. Ich kann dich sehr gut verstehen… es zu begreifen / zu verstehen was Erziehung verursacht ist eine Sache. Aber das neue Wissen dann auch in den Situationen zuverlässig anzuwenden eine andere. Ich denke wir brauchen nicht nur Liebe und Geduld für unsere Kinder, sondern auch für uns. Alles gute liebe Alex.

  5. Dein Beitrag hat mich sehr berührt. Und ich finde mich darin wieder 🙁 ich fühle auch eine große Trauer vor allem in Situationen wo ich mich selbst sehe wenn ich meinen Sohn Maßregele. Mich als kleines Kind und ich spüre die Dinge die er spürt. Da hilft das SEIN mit ihm im Wald mir sehr

    1. Ja, das hinein fühlen ins eigene innere Kind – in den Situationen die uns triggern – hilft mir sehr um an der Obefläche zu kratzen, was denn gerade los ist… auch wenn es mir nicht immer gelingt. Ja und der Wald – Deborah – er heilt wirklich, er gibt uns Halt, Vertrauen, inneren Frieden und Ruhe.

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